Reaktive Arthritis
- ergo-mara

- 15. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Definition und Konzept
Die reaktive Arthritis ist eine sterile Gelenkentzündung, die durch eine extraartikuläre Infektion (an einem anderen Ort im Körper) ausgelöst wird.
Sterilität: Im Gelenkpunktat können keine lebenden Erreger angezüchtet werden („unbefleckte Infektion“).
Pathogenese: Es handelt sich um eine Immunreaktion des Körpers auf einen vorangegangenen Infekt, oft begünstigt durch eine genetische Disposition (insbesondere HLA-B27).

Ursächliche Erreger und Eintrittspforten
Die klassischen Formen treten nach Infektionen in zwei Hauptbereichen auf:
Gastrointestinaltrakt (Darminfekte): Salmonellen, Shigellen, Yersinien und am häufigsten
Campylobacter jejuni. Auch Clostridium difficile nach Antibiotikagabe ist möglich.
Urogenitaltrakt (Harnwegsinfekte): Der wichtigste Erreger ist hier Chlamydia trachomatis.

Klinisches Erscheinungsbild
Das typische Befallsmuster der Gelenke ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Asymmetrische Mon- oder Oligoarthritis: Meist ist nur ein Gelenk oder wenige Gelenke betroffen.
Lokalisation: Die untere Extremität und große Gelenke sind bevorzugt betroffen.
Daktylitis: Sogenannte „Wurstfinger“ oder „Wurstzehen“.
Enthesopathie: Entzündungen an Sehnenansätzen, klassischerweise an der Achillessehne.
Sakroiliitis: Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke, die oft flüchtig Rückenschmerzen verursacht.

Extraartikuläre Manifestationen
Neben den Gelenken können weitere Organe betroffen sein:
Auge: Konjunktivitis (Bindehautentzündung) oder die schwerwiegendere
Iritis (Regenbogenhautentzündung).
Haut/Schleimhaut: Balanitis circinata (Eichelentzündung), Stomatitis (Mundschleimhautentzündung) oder das seltene Keratoderma blenorrhagicum (Verhornungen).

Diagnostik und Therapie
Die Diagnose stützt sich primär auf die Anamnese (vorangegangener Infekt) und das klinische Muster.

Labor: HLA-B27 ist bei ca. 50 % der Patienten positiv und dient als unterstützender Hinweis. Erregernachweise (z. B. via PCR im Urin bei Chlamydien) sind oft nur im Frühstadium erfolgreich.


Therapie:

NSAR: Mittel der ersten Wahl zur Schmerzlinderung (z. B. Diclofenac).
Glukokortikoide: Vorzugsweise als Injektion direkt in das betroffene Gelenk.
Antibiotika: Nur bei nachgewiesener Chlamydien-Infektion sinnvoll (Partnerbehandlung beachten!), um Chronifizierungen zu vermeiden; bei Darminfekten meist zu spät.
Prognose: In der Regel heilt die ReA nach einigen Wochen oder Monaten von selbst aus.

1. Unterscheidung zwischen ReA und Psoriasis-Arthritis
Ähnlichkeit: Chronische Formen der reaktiven Arthritis können im Röntgenbild (z. B. bei der Wirbelsäulenbeteiligung) der Psoriasis-Arthritis sehr ähnlich sehen.
Hautbeteiligung: Während bei der PsA die typischen Psoriasis-Plaques (oft an Ellenbogen, Knien oder Kopfhaut) leitend sind, finden sich bei der ReA eher spezifische Hauterscheinungen wie das Keratoderma blenorrhagicum oder eine Balanitis circinata.
Nagelveränderungen: Tüpfelnägel oder Ölflecken weisen stark auf eine Psoriasis-Arthritis hin.
2. Abgrenzung zur HLA-B27-positiven Spondyloarthropathie
In der Diskussion wurde ein Fallbeispiel eines jungen Mannes mit beidseitiger Sakroiliitis (Entzündung der Kreuz-Darmbein-Gelenke) nach einer Urethritis (Harnröhrenentzündung) besprochen:
Zeitlicher Zusammenhang: Das entscheidende Kriterium für die Diagnose einer reaktiven Arthritis ist der zeitliche Abstand. Die Gelenk- oder Wirbelsäulenentzündung muss in einem engen zeitlichen Fenster nach dem Infekt (Urethritis oder Darminfekt) auftreten.
Verlauf: Die reaktive Arthritis verläuft meist passager (vorübergehend) und heilt oft vollständig aus ("die Zeit heilt die Wunden"). Eine klassische Spondyloarthropathie (wie Morbus Bechterew) ist hingegen eine chronisch-progrediente Erkrankung.
Symmetrie: Eine beidseitige Sakroiliitis ist eher typisch für den klassischen Morbus Bechterew, während sie bei der reaktiven Arthritis oft einseitig oder flüchtig beginnt.

3. Gemeinsamkeiten (Spondyloarthritis-Gruppe)
Beide Erkrankungen teilen das HLA-B27-Antigen als genetischen Risikofaktor. Das bedeutet:
Ein positiver HLA-B27-Befund beweist keine der beiden Krankheiten spezifisch, sondern zeigt nur die Veranlagung für diese Art der Entzündungsreaktion.
Die Therapie der axialen Beteiligung (Wirbelsäule) ist bei beiden ähnlich (vorrangig NSAR und Physiotherapie).
Zusammenfassend:
Die reaktive Arthritis ist eine "unbefleckte Infektion" mit meist guter Prognose, während die anderen Formen der Spondyloarthritis eher chronisch verlaufen. Der Nachweis des auslösenden Erregers (z. B. Chlamydien) ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal in der Frühphase.


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