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Die Stimme in Bewegung: Ein tiefer Einblick in das Funktionale Stimmtraining


Haben Sie sich jemals gefragt, wie eng unsere Stimme mit der gesamten Körpermuskulatur verknüpft ist? Das Funktionale Stimmtraining geht weit über klassische Gesangsübungen hinaus. Es betrachtet die Stimme als ein komplexes Zusammenspiel aus Biologie, Physik und Bewegung.




In diesem Artikel erfahren Sie, wie dieses Konzept entstand, auf welchen Prinzipien es beruht und warum es heute sowohl in der Kunst als auch in der Therapie unverzichtbar ist.


Stimmtraining - Ursprung: Von der Arbeitswissenschaft zur Gesangskunst



Die Wurzeln des Funktionalen Stimmtrainings liegen nicht etwa in einem Musikzimmer, sondern im Institut für Arbeitswissenschaften in Darmstadt. Ende der 80er Jahre legte Walter Rohmert mit seinen Forschungen (dokumentiert in „Grundzüge des Funktionalen Stimmtrainings“, 1989) den Grundstein.


Was als wissenschaftliches Konzept für die Gesangsausbildung begann, hat sich seither durch verschiedene Experten stetig weiterentwickelt. Heute kennen wir unterschiedliche Schwerpunkte, geprägt durch Namen wie:


  • Eugen Rabine: Fokus auf die „Doppelventilfunktion“ und funktionales Hören.


  • Gisela Rohmert: Die „Funktionale Methode“ zur Differenzierung der Hörwahrnehmung.


  • Michael Heptner: „Funktionale Stimmarbeit“ unter Berücksichtigung globaler psychophysiologischer Zusammenhänge.


  • Weitere Einflüsse: Von Feldenkrais-Elementen (Franziskus Rohmert) bis hin zur medizinischen Unterstützung durch Reizstrom (Eberhard Kruse).


Der Kern: Die Stimme als Teil des Ganzen im Stimmtraining


Das Herzstück des Trainings ist die Erkenntnis, dass Phonation (Stimmgebung) untrennbar mit Haltung, Bewegung und Atmung verbunden ist.



Das Prinzip der Doppelventilfunktion

Die Theorie basiert auf einer faszinierenden physiologischen These über den Kehlkopf:


  1. Das Auslassventil (Taschenfalten): Arbeitet mit der Ausatmungsmuskulatur und Überdruck zusammen.


  2. Das Einlassventil (Stimmlippen): Wird durch die Einatmungsmuskulatur und Unterdruck aktiviert.



Durch gezielte Bewegungen – vor allem der Arme und Beine – wird dieses muskuläre System stimuliert, um die Stimmfunktion zu optimieren.



Was passiert im Training? (Methodik)


Anstatt starren „Stimmvorbildern“ nachzueifern, setzt das Funktionale Stimmtraining auf Selbstregulation. Es gibt keine universelle „richtige“ Haltung; das Ziel ist die Entfaltung des individuellen Potenzials.


Typische Inhalte sind:


  • Ganzkörperliche Übungen: Aktivierung der Einatmungsmuskulatur durch Bewegung.


  • Funktionales Hören: Die Schulung der Eigenwahrnehmung, um die Stimme über das Gehör selbst zu steuern.


  • Atemmassage & Berührung: Um Koordinationsmuster im Körper zu verändern.


  • Vibrato & Brillanz: Feinabstimmung der Stimmleistung durch differenzierte Wahrnehmung.




Anwendbarkeit: Wer profitiert davon?


Obwohl das Konzept ursprünglich für den Gesang entwickelt wurde, ist es heute ein mächtiges Werkzeug in der Stimmtherapie. Es wird erfolgreich eingesetzt bei:


  • Funktionellen Stimmstörungen (z. B. durch Überbelastung).


  • Organischen Stimmstörungen, die einer Therapie bedürfen.


  • Sängern und Sprechern, die an ihrer Brillanz und Ausdauer arbeiten möchten.

Hinweis für die Praxis: Da das Training sehr differenziert ist, erfordert der Transfer von der Gesangs- auf die reine Sprechstimme manchmal etwas Fingerspitzengefühl. Doch gerade diese Detailtiefe macht es so effizient.


Fazit


Das Funktionale Stimmtraining ist kein starrer Lehrplan, sondern ein lebendiger Prozess. Es lädt dazu ein, die Stimme nicht als isoliertes Instrument, sondern als Ausdruck des gesamten Körpers zu begreifen. Wer bereit ist, sich zu bewegen, wird mit einer stimmlichen Freiheit belohnt, die authentisch und kraftvoll zugleich ist.


Fragen Sie gern bei uns an für Stimmtraining!



Weiterführende Literatur & Quellen:

  • E. Rabine (2003): Der Schlüssel zur Stimme.

  • U. Feuerstein (2000): Stimmig sein.

  • Infos online: www.heptner.org

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